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mäandern in Jelineks preigekröntem Stück "Rechnitz". Wie a

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Presserundschau zur Jurydebatte und Preisvergabe der 34. Mülheimer Theatertage

Wo der Diskurs tobt

4. Juni 2009. Siege ohne hartnäckige Gefechte wirken stets etwas glanzlos. Entsprechend unaufgeregt beglückwünschen die Pressekollegen Elfriede Jelinek zum diesjährigen Dramatikerpreis und zeigen sich leise enttäuscht von einem Jahrgang, dem es an neuen Stimmen und Höhepunkten mangelte. Herausragend seien vor allem die Inszenierungen gewesen.


Vorhersehbar wie eine x-te Meisterschaft des FC Bayern München findet Stefan Keim in der Frankfurter Rundschau (4.6.) die Preisvergabe an Elfriede Jelinek: "Unangefochten, kryptisch, seltsam unangreifbar hinter ihren sich oft selbst widersprechenden Wortmassiven verborgen. Sie ist ein Solitär, niemand schreibt wie sie. Die neue Auszeichnung ist nachvollziehbar wie alle anderen vorher. Aber auch unspannend." Ernsthafte Konkurrenz habe Jelinek nicht gehabt. "Was wohl auch an der Zusammensetzung der Preisjury lag." "Die Preisjury zeigte Vorlieben für das Sperrige, Komplexe, Überlebensgroße. Mit den sieben nominierten Stücken wurde sie in dieser Richtung spärlich bedient."

In einem Atemzug kommentiert Katrin Bettina Müller in der taz (4.6.) die beiden diesjährigen Mülheimer Preisträger Elfriede Jelinek (Dramatikerpreis) und René Pollesch (Publikumspreis): "An ihnen wächst, was Theater kann". "Beide Autoren verbindet, dass ihre Texte tatsächlich erst in der Aufführung zu jenen aufregenden Sprachwesen werden, die Intellekt und Gefühl auf vielen Ebenen in Bewegung setzen. Beide bewegen sich da, wo der Diskurs tobt, Jelinek bei Bankenskandalen und gesellschaftlichen Verdrängungen, Pollesch bei den politischen Prägungen des Privaten." Ob als Regisseur in eigener Sache (Pollesch) oder als Dramatikerin (Jelinek), die verschiedene Theatermacher "mit einer großen Freiheit der Wahl, welchen Zugang sie legen, welche Figuren sie zu Sprechern werden lassen", ausstatte – beide brächten das Theater dazu, "seine Möglichkeiten bis zum Anschlag auszuschöpfen. Deshalb ist ihre Auszeichnung so einleuchtend".

Der Preis für Jelinek müsse eine "Genugtuung" für die "vielen aus der Theaterwelt" sein, die "enttäuscht, verständnislos, ja erbittert" auf das Fehlen von Jossi Wielers "Rechnitz"-Inszenierung beim Berliner Theatertreffen regiert hätten, schreibt midt in der Süddeutschen Zeitung (4.6.). Die Frage, ob es am Dramatiker-Nachwuchs oder an der Jury liegt, "dass in Mülheim das Establishment die Lorbeeren davon getragen hat", bleibe dabei ebenso unbeantwortet wie jene, "inwieweit hier tatsächlich Stücke ausgezeichnet werden und nicht künstlerische Synergien zwischen Autoren und kongenialen Regisseuren. Im schlechtesten Falle wäre Elfriede Jelinek die Einäugige unter den Blinden – für eine mit seherischen Fähigkeiten begabte Kassandra wie sie eine etwas unbefriedigende Perspektive. Und zugleich eine Elster wider Willen, da sie einen Preis erhält, den sie eigentlich mit der Regie teilen müsste."

Die Welt (4.6.) greift lediglich auf eine dpa-Meldung zurück, und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (4.6.) bedenkt die Preisvergabe an Jelinek "nach ausführlicher öffentlicher Debatte" nur mit einer kurzen Meldung von aro (Andreas Rossmann).

Auch die großen österreichischen Tageszeitungen Der Standard (4.6.) und Die Presse (4.6.) begnügen sich mit Agenturmeldungen zur Preisvergabe und lassen beide (hier und hier) die SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen das Lobwort sprechen, "dass Jelinek mit großer Beständigkeit Stücke von hoher Qualität schreibt, die völlig zu Recht zu den großen Erfolgen auf den Theaterbühnen gehören".

Mit der Auszeichnung Jelineks habe die Jury "alles richtig gemacht", befindet Uli Deuter in der Sendung "Kultur heute" im Deutschlandfunk (3.6.). "Weil sie nichts falsch machen konnte." Jelinek sei preiswürdig in einem Jahrgang, der „Gutes und Durchschnittliches, aber keine Überraschungen“ geboten hätte. "Rechnitz" setze sich mit der Verleugnung des Massenmords auseinander. "Mittels der Jelinek-typischen Sprachbildbrüche und Kalauerkaskaden, die atemlos um eine Wahrheit dahinter ringen." Fazit: "Ein Drama, das aber auf jeden Fall auch eines ist: politisch korrekt." Mutiger als die Preisvergabe an Jelinek sei die Einladung von Lutz Hübner gewesen. "Mag sein, dass da jemand ein Zeichen setzen wollte, weg von elaborierten Sprachspielen unter Kunstfiguren, hin zu ein bisschen mehr normalem Leben auf der Bühne." Die diesjährige Stückeauswahl dominierten im Übrigen die "Loser, Pechvögel, Nichtskönner; Paare, die sich eher zufällig finden, eher lustlos verbinden". Eine "Momentaufnahme" voll "Ratlosigkeit, Resignation, Schicksalergebenheit".

Wenn man sich "mit leichter Enttäuschung von diesem Jahrgang verabschiedet", so liegt das für Ulrike Gondorf von Deutschlandradio Kultur (Fazit, 2.6.) daran, dass "wirkliche Neuentdeckungen" – wie im vergangenen Jahr mit Ewald Palmetshofer, Felicia Zeller oder Philipp Löhle – ausgeblieben seien. So waren die diesmal "vorgestellten Autoren im Durchschnitt auch schon eine Generation älter", auch ihre Themen spiegelten dies wider: "Gescheiterte Utopien und die Rückschau auf verpasste Lebensmöglichkeiten zogen sich wie ein roter Faden durch die Abende" – ein "Stückemarkt, den die Mitte-40-Jährigen, arrivierten Autoren bestimmten". "Man sah also Profis am Werk, vermisste aber neue Töne und gewagte Experimente." Dafür sei die "künstlerische Qualität der gezeigten Produktionen durchaus überzeugend" gewesen. "Schauspielerische Glanzleistungen" hätten die Theatertage zu einem "Theaterfest" gemacht. Besonders "Hier und Jetzt" gilt der Rezensentin "als Ausnahmeabend".

Die glänzenden Uraufführungsinszenierungen der Texte von Roland Schimmelpfennig, René Pollesch und Elfriede Jelinek hebt auch Horst Lohr in den Stuttgarter Nachrichten (4.6.) hervor. Sie zu erleben, "lohnte dann trotz des Unbehagens über die Stückauswahl doch den Besuch in der Stadt an der Ruhr". Am bemerkenswertesten sei die Jelinek-Aufführung von Jossi Wieler gewesen, die mit ihren "fünf fulminanten" Schauspielern "das launige Partygeplapper einer Bussigesellschaft von heute" destilliere. "Ihre verbalen Verleugnungsorgien lassen einem den Atem stocken".

Im Deutschlandradio Kultur (Radiofeuilleton: Thema, 3.6.) kommt hingegen der zuverlässigste Theaterkritikerkritiker, Claus Peymann, zu Wort und kritisiert die Preisvergabe: "Die Jelinek kriegt diesen Preis jetzt zum dritten Mal, und ich finde: Einmal wäre auch gut gewesen. So eine Übermacht stellt sie nicht dar." Dann zählt Peymann, vermutlich über Auswahl- und Preisvergabeverfahren nur teilweise im Bilde, einige Dramatiker auf, die den Preis noch nicht bekommen hätten, aber unbedingt verdienten (Hein, Brasch, Braun, Turrini, Handke, Bernhard) – er bescheinigt der Jury diesbezüglich "Blindheit auf zwei Augen". Da stimmten einfach die Proportionen nicht. Peymann versteht seine Kritik dabei vor allem als eine "an den Journalisten, an dem Theaterpreis". Jelinek sei "natürlich eine Frau wie kaum eine andere, eine Seherin, jemand, auf den die ganze Weltkrise einstürzt". Nur forme sie heute "eigentlich gar keine Stücke mehr", sondern liefere "Rohmaterial für begabte Regisseure". Ähnlich wie bei dem vor zwei Jahren ausgezeichneten Theaterkollektiv Rimini Protokoll seien es "eigentlich gar keine Dramen mehr, die sie schreibt". Stattdessen häufe sie "Material an, Berge von Material", wobei die "Struktur ihr mehr und mehr verloren" gehe. Ihre "große, helle, jubilierende Musikalität" von einst habe sie aufgegeben, "vielleicht auch gejagt von dieser Wirklichkeit, von dieser Krise, die sie vielleicht wie keine andere empfindet". Er ist gespalten: "Ich liebe sie auf eine bestimmte Weise, und ich sehe sie gerne. (...) Andererseits sehe ich aber, wie diese Stücke immer wie riesige Textwürste, angefüllt mit der jeweiligen Tagesrealität der Kronen- oder Bildzeitung, aus ihr herauskommen. Das hat sich nach dem Nobelpreis noch verstärkt." Sein Ratschlag an Elfriede Jelinek lautet deshalb: "Schreiben Sie doch mal wieder Rollen, erfinden Sie Menschen!" "Ich habe Angst um sie", wegen des "wahnwitzigen Ruhmes", der "zerstörerischen Begeisterung" und dem "Dauererfolg" nach dem Nobelpreis. Ihre Hingabe des Textes an die Theatermacher hält er überdies für "bedenkenlos". "Die Jelinek kann unendlich viel mehr als ihre letzten Stücke. Sie ist, könnte eine große Dramatikerin sein. Aber dieses Drama, was jetzt da gekürt wird, das ist für mich weit weg von dem, was eigentlich das europäische und speziell das deutsche Theater ausmacht, nämlich die Priorität der Literatur. Und das ist einfach aufgegeben." Dass so etwas "von einer überdrüssigen Kritikerjury" immer wieder gewählt werde, zeige vor allem deren "Phantasielosigkeit" und "mangelnden Überblick".

Hier lesen Sie unseren Kommentar zur Jurydebatte. Und hier benannten wir Tendenzen der diesjährigen Auswahl im Vergleich zum vorigen Jahr.

 

Kommentare (5)

05. Juni 2009, 08:06
Sabine Marckwald: ...
Das sind doch bedenkenswerte Argumente von Claus Peymann, und sehr pointiert formuliert. Er mag keine Ahnung vom Auswahlprozedere in Mülheim haben. Aber was er über Elfriede Jelinek und ihre Arbeit sagt, ist doch nicht falsch. Diese merkwürdige Vermischung von einer etwas verstaubten Avantgardehaltung und Boulevardthemen, Talkshowaufregern. Ja, Textwürste, so kann man das wirklich nennen.
05. Juni 2009, 13:06
och: ...
was soll denn daran bedenkenswert sein? dass peymann sagt, wie ein stück zu sein hat? wielers inszenierung ist doch toll, auch ohne figurennamen. und, bitte, er sollte schon wenigstens rudimentäre kenntnisse darüber haben, wie der preis vergeben wird. es geht nicht darum, wer wieviele preise schon hat. kann den denn keiner aufklären? er macht sich ja lächerlich, der arme alte mann.
06. Juni 2009, 03:06
l thelen: @sm
liebe sabine. du bist doch gar keine sabine. du bist doch ein perfider bock. es gibt keine frau die wie du sprechen würde. keine einzige.
06. Juni 2009, 13:06
Antithelen: gegen Pauschale
Was soll das, "I thelen"? Das tut nichts zur Sache. Interessant wäre hier nur, wie denn Herr Peymann spricht. Und da muss ich "och" recht geben: Das klingt bei ihm so, als sei der Mülheimer Dramatikerpreis so was wie der Büchnerpreis, wo man einen Autoren zeitlosgelöst für sein Gesamtwerk ehrt. Darum geht's hier aber nicht. Mal wieder sehr undifferenziert, der Peymann. Sicher kann man die Praxis der Mülheimer Preisvergabe kritisieren, aber vorher sollte man doch erstmal verstanden haben, wie sie funktioniert, bevor man hier so pauschal rumurteilt.
08. November 2009, 12:11
gefunden: ...
ich hab die seite eben erst gefunden, weil ich an der uni was zu jelinek machen will. echt super seite! sehr gute texte und viel material! kann man nur empfehlen.

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busy