Auf Zeche Zollverein – Die internationale Übersetzerwerkstatt erkundet das Ruhrgebiet
Von der Kohle zur Kultur
von Sarah Heppekausen
1. Juni 2009. Der Gästeführer erzählt es im Kohlebunker der Kokerei wie nebenbei, kurz bevor der zweistündige Rundgang auf dem Gelände der Zeche Zollverein zu Ende geht: "… und wenn wir dann im nächsten Jahr Kulturhauptstadt sind …" Wie, was für eine Hauptstadt? Die beiden Übersetzerinnen aus Venezuela und Uruguay, als Teilnehmerinnen der ITI-Übersetzerwerkstatt mit dabei, können es kaum fassen: "Essen ist Kulturhauptstadt Europas?" Historische Bedeutung als Knotenpunkt der Industrialisierung, gut, das habe die alte Bergbauregion Ruhrgebiet. Das ist bekannt, auch in Lateinamerika. Aber eine kulturelle Strahlkraft, die über die Landesgrenzen hinausreicht? Da spricht Zweifel aus den Blicken der beiden.
Fremdheit zulassen – Auf dem Symposium "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel" diskutieren Akademiker und Künstler über die Rolle von Bildern im modernen Leben
Wir sind alle Kreuzungen, Bündel, Büschel
von Esther Boldt
31. Mai 2009. Wird sie gut geführt, so ist eine Debatte ein Spiel, in dem Redende sich den Ball zupassen, ihn flink um den Gegner herumdribbeln, um ihn unvermutet im Tor zu versenken. Nun gut, das Bild ist ein wenig übertrieben, Stadionjubel gibt es bei Symposien eher selten. Aber mitunter sind auch Akademiker verbal so wendig wie Lionel Messi mit dem zu Fuß. Nach dem etwas unscharfen Auftakt des Symposiums "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel" kam der Ball am zweiten Tag ins Rollen. "Bildermacher, Bildexperten und Bildkritiker" kündigte die Theaterwissenschaftlerin und Mit-Organisatorin Kati Röttger an.
Der Auftakt zum Symposium "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel" mit Dea Loher-Gastspiel aus Uruguay
Die Sprache der Anderen
von Esther Boldt
30. Mai 2009. "Verstehen – davon war nie die Rede." Ein verheißungsvoller Satz, der in Dea Lohers Das letzte Feuer fällt. Im letzten Jahr erhielt das Stück den Mülheimer Dramatikerpreis, jetzt ist es in einer Inszenierung von Fernando Alonso als internationales Gastspiel aus Uruguay eingeladen. Als solches ist es eingebunden in den Auftakt des diesjährigen Symposiums: "Blick-Wechsel : Bild-Wechsel", so der durchaus komplizierte Titel, unter dem es um Bildtransfer und Perspektivwechsel gehen soll, um kulturelle Codierungen und ihre (Un-)Lesbarkeit in der Fremde, um die Präformierung des Blicks. Denn zur Komplexität des Bild-Diskurses gesellt sich der inter- und transkulturelle Diskurs – keine kleinen Dosen, die da aufgemacht werden. Und es wird dabei, im Gegensatz zum Loher-Zitat, nach den Möglichkeiten der Verständigung, gefragt.
Die Internationale Übersetzerwerkstatt des ITI nimmt sich die Stücke '09 vor
Schlaflos mit Jelinek
von Sarah Heppekausen
28. Mai 2009. Wie, bitteschön, lässt sich denn "Arschkarte" übersetzen? Dieses vielsagende Relikt aus Zeiten der Fußball-Übertragung via Schwarz-Weiß-Fernseher, als der Zuschauer nur erkennen konnte, dass der Schiedsrichter die rote Karte zeigt, weil er sie aus der Gesäßtasche und nicht aus der Brusttasche gezogen hat. "Wir haben da was", meint Shinichi Sakayori und ist sichtlich erleichtert. Etwas Vergleichbares: "Wenn jemand in Japan in Kriegszeiten zum Wehrdienst einberufen wurde, bekam er eine Karte zugeschickt. Das war auch großes Pech." Die anderen nicken zustimmend. "Aber das Wort 'Arsch' geht so verloren", gibt Ramon Farrés aus Spanien zu Bedenken. "Etwas geht immer verloren", sagt die Portugiesin Vera San Payo de Lemos. Und wieder nicken alle.











