Sieben Fragen an Sibylle Berg
Sag nie: Mein Werk!
1. Wie kamen Sie auf die Idee für Ihr Stück "Die goldenen letzten Jahre"?
Die Idee kam sehr unelegant: durch ein Klassentreffen, von dem mir der einzige ehemalige Mitschüler, zu dem ich heute, 100 jahre nach der Schulzeit, noch Kontakt habe, berichtete. Was für ein Bandwurmsatz. Auf jeden Fall versuchte ich dann an diese Schulklasse zu denken, und besonders sind mir all die komischen Kinder von damals in Erinnerung geblieben: die kleinen, dicken, hässlichen. Da fast jeder, der es irgendwann einmal in unserem Wertesystem zu irgendetwas schafft, sei es Haus, Pferd, Auto oder Filmrolle immer wieder erklärt, dass er damals in der Schule ANDERS war, am Sand usw., dachte ich, das scheint ein lohnendes Untersuchungsfeld. Wenn alle anders waren, wer war denn dann bitte nicht anders.
2. Warum schreiben Sie für das Theater?
Weil mich vom Film keiner gefragt hat? Weil es schneller geht als Bücher zu schreiben? Weil es auch erledigt werden muss? Berufliche gründe? Ich weiss es nicht. Ich schreibe fürs Theater, weil zum Glück Menschen in die Stücke gehen und sie sich ansehen, Theaterdirektoren mich fragen, ob ich ein Stück schreibe, weil ich für fast jeden arbeite, der nett zu mir ist?
3. Was macht für Sie ein gutes Theaterstück aus?
Eine Verstörung. Angst. Eine neue Idee. Lachen. Nicht denken: Boahhh die schauspielern aber, die Schauspieler. Hauptsächlich aber immer: Ein guter Regisseur und gute Akteure. Das gilt für fast alle Stücke bis auf die von Herrn Schwab, wo ich mir immer wünschte, es gäbe weder das eine noch das andere, sondern nur Menschen, die den Text vorlesen.
4. Wie wünschen Sie sich den Umgang eines/r Regisseurs/in mit Ihren Stücken?
Das er gut ist, merkwürdige Bilder findet, freundlich mit den Schauspielern umgeht, sich nicht zu wichtig nimmt, kein Angeber ist und nie nie sagt: Mein Werk...
5. Welcher Tätigkeit würden Sie nachgehen, wenn Sie nicht Schriftstellerin wären?
Alkoholikerin sein und vor einem Kaufhaus sitzen, mit schmutziger Kleidung.
6. Um welchen Satz beneiden Sie Ihre/n Lieblingsautoren/in?
Och nööö, das geht so nicht, ich merk mir doch keine Sätze. Noch nicht mal die, die ich selber schreibe. Ich beneide auch niemanden, ausser er hat ein schönes Haus an einem italienischen See. Ich liebe Elfriede Jelinek dafür, dass sie so eigen ist und etwas will. Dafür liebe ich auch René Pollesch und Christoph Schlingensief.
7. Was war Ihr letztes bemerkenswertes Theatererlebnis?
Sicher der letzte Pollesch irgendwann. Ich komme nicht viel aus dem Haus. Ich muss ja arbeiten.
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