Fernando Alonso
Samstag, 30. Mai 2009
Wie kommt ein Formel-Eins-Weltmeister darauf, ein Theaterstück zu inszenieren? Bitte schön, das ist doch ungewöhnlich! Regie: Fernando Alonso, steht auf dem Programmzettel zu Das letzte Feuer (El último fuego) – ein Gastspiel aus Uruguay (offensichtlich ein Druckfehler, denn Alonso ist natürlich Spanier). Der Formel-Eins-Weltmeister von 2005 und 2006 führt Dea Lohers Mühlheim-Sieger-Stück von 2008 auf. Warum?
Wie so oft, gibt es dafür mehrere Gründe, offensichtlichere und etwas versteckte. Zunächst die offensichtlichen: Eine tragende Rolle erfüllt im Stück die Frau mit den künstlichen Brüsten, und zwar mit Brüsten in Übergröße. Ganz klar eine Anspielung auf "Boxenluder" wie Katie Price. Und wenn bei Loher am Schluss "das letzte Feuer und das erste" gezündelt wird, wie sollte ein Rennfahrer da nicht an Motorschäden und Qualm im Cockpit denken? Es heißt ja immer, ein Künstler müsse den Stoff finden, der "mit mir zu tun hat". Und wenn etwas mit Männern vom Schlage eines Alonso zu tun hat, dann diese Rennfahrertragödie, die von Loher zweifellos als Hommage an den großen Ayrton Senna konzipiert wurde: "Der Tod war schneller als das Leben."
Jetzt aber: Ein Stoff, der gewissermaßen auf der Hand liegt, ist noch lange kein guter. Etwas muss den Asphalt-Künstler Alonso tiefer berührt haben. Etwas ließ ihn ganz gezielt nach deutscher Gegenwartsdramatik greifen. Und siehe, da liegt es! Mit der Inszenierung verbeugt sich Alonso vor seinem großen, ehemaligen Rivalen, Michael Schumacher. Lohers "Frau Schraube" – eine Chiffre für Schumi, den Freund der Boxenmechaniker. Ja, da kommen wir dem Rätsel auf die Spur. Wie war das noch im Mai 2003, als Alonso beim Grand Prix in Spiegelberg/Steiermark ausschied, während sein Widersacher glorios gewann? "Flammen schlugen aus Schumis Wagen". Der teutonische Teufelskerl fuhr noch mit brennender Karre Siege ein. Genau solche Heldentaten dürften Alonso zu seiner jetzigen Theaterarbeit angefeuert haben.
P.S.: Oh, Enttäuschung! Redaktionelle Nachrecherchen haben zutage gefördert: Es ist gar nicht der Alonso. Das Team kommt wirklich aus Uruguay.
Christian Rakow, 12:35 Uhr










