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Abschied mit Lama
Donnerstag, 4. Juni 2009

abschiedmitlama

Noch ein Lama zum Abschied. Nach 19 vollen Tagen Mülheim sagen wir der Ruhr Adieu. Oder, um mit Roland Schimmelpfennig zu schließen, der Elfriede Jelinek am Ende immerhin eine von fünf Jurorenstimmen abknapsen konnte: "Vielen Dank, daß ihr da wart, vielen Dank fürs Kommen. Das wars. / Kurze Pause. / Danke. Gehen wir. Lichter aus. Ende."

Anne Peter und Christian Rakow, 14:20 Uhr

   

Enthüllt!
Sonntag, 31. Mai 2009

ritter

Man hatte sich ja schon gefragt, was eigentlich diese Ritterkämpfe in Roland Schimmelpfennigs Hier und Jetzt machen. An sich geht es darin um eine eher zeitgenössische Hochzeitsfeier und um einen Seitensprung, der in einem Elektromarkt beginnt. Und plötzlich greifen die Hochzeitsgäste nach meterhohen Schwertern oder nach einem goldenen Horn und gebärden sich überhaupt, als wollten sie zum Sängerwettstreit auf der Wartburg. Bei solchen Zeitsprüngen sieht man dann schnell literarisches Traditionsbewusstsein am Werke und preist die allgemeinmenschliche Tiefe, aus der heraus das "Hier und Jetzt" ins "Immer schon und fürderhin" verwoben ist.

Dabei ist's viel profaner! Nach Löhles Lama enthüllen wir den zweiten Fall eines Wettbewerbsstücks, das konsequent auf die Belange von Mülheim hin geschrieben ist ("site specific" nennt man das). Das große "Pfingst-Spektakulum mit Ritter-Turnier" ist an diesem Wochenende auf dem Schloss Broich (beim Ringlokschuppen) zu erleben: Hofdamen in Samtgewändern, Mägde in Leinen, Schwerterschmiede und allerlei Gewerke sowie Ritter en masse bevölkern das Zeltlager neben der alten Burg.

Sie also hat Roland Schimmelpfennig im Blick gehabt, hier sucht er sein Publikum. Was uns in seinem Stück wie eine elegische Träumerei erschien, was uns romantisch anwehte, ist kompromisslose Zielgruppenansprache! Nur hat sich Schimmelpfennig mit dem Termin verplant. Seine Knappschaften und Rittersleute sind zu spät in Mülheim eingetroffen: exakt eine Woche nach dem "Hier und Jetzt"-Gastspiel. Den Publikumspreis muss er sich also ohne sie erstreiten.

P.S.:
Es erhellt sich jetzt auch, weshalb Roland Schimmelpfennig beim Publikumsgespräch am letzten Wochenende fehlte. Etwas muss mit seinem Kalender grundlegend verkehrt sein. Wir sollten ihn noch einmal in diesen Tagen bei den Zelten auf Schloss Broich suchen. Bis morgen ist die Heerschar noch dort.

Christian Rakow, 20:28 Uhr

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Fernando Alonso
Samstag, 30. Mai 2009

auto-alonso

Wie kommt ein Formel-Eins-Weltmeister darauf, ein Theaterstück zu inszenieren? Bitte schön, das ist doch ungewöhnlich! Regie: Fernando Alonso, steht auf dem Programmzettel zu Das letzte Feuer (El último fuego) – ein Gastspiel aus Uruguay (offensichtlich ein Druckfehler, denn Alonso ist natürlich Spanier). Der Formel-Eins-Weltmeister von 2005 und 2006 führt Dea Lohers Mühlheim-Sieger-Stück von 2008 auf. Warum?

Wie so oft, gibt es dafür mehrere Gründe, offensichtlichere und etwas versteckte. Zunächst die offensichtlichen: Eine tragende Rolle erfüllt im Stück die Frau mit den künstlichen Brüsten, und zwar mit Brüsten in Übergröße. Ganz klar eine Anspielung auf "Boxenluder" wie Katie Price. Und wenn bei Loher am Schluss "das letzte Feuer und das erste" gezündelt wird, wie sollte ein Rennfahrer da nicht an Motorschäden und Qualm im Cockpit denken? Es heißt ja immer, ein Künstler müsse den Stoff finden, der "mit mir zu tun hat". Und wenn etwas mit Männern vom Schlage eines Alonso zu tun hat, dann diese Rennfahrertragödie, die von Loher zweifellos als Hommage an den großen Ayrton Senna konzipiert wurde: "Der Tod war schneller als das Leben."

Jetzt aber: Ein Stoff, der gewissermaßen auf der Hand liegt, ist noch lange kein guter. Etwas muss den Asphalt-Künstler Alonso tiefer berührt haben. Etwas ließ ihn ganz gezielt nach deutscher Gegenwartsdramatik greifen. Und siehe, da liegt es! Mit der Inszenierung verbeugt sich Alonso vor seinem großen, ehemaligen Rivalen, Michael Schumacher. Lohers "Frau Schraube" – eine Chiffre für Schumi, den Freund der Boxenmechaniker. Ja, da kommen wir dem Rätsel auf die Spur. Wie war das noch im Mai 2003, als Alonso beim Grand Prix in Spiegelberg/Steiermark ausschied, während sein Widersacher glorios gewann? "Flammen schlugen aus Schumis Wagen". Der teutonische Teufelskerl fuhr noch mit brennender Karre Siege ein. Genau solche Heldentaten dürften Alonso zu seiner jetzigen Theaterarbeit angefeuert haben.

P.S.:
Oh, Enttäuschung! Redaktionelle Nachrecherchen haben zutage gefördert: Es ist gar nicht der Alonso. Das Team kommt wirklich aus Uruguay.

Christian Rakow, 12:35 Uhr

   

Blutrünstig!
Donnerstag, 28. Mai 2009

kunstblut

Drei Tage Kindertheater haben uns bereits etwas mürbe gemacht. Und zwar nicht, weil es so uninspirierend wäre. Sondern weil wir nicht ausreichend hart gesotten sind. "Schön gruselig und grausam", so sollen Geschichten sein, sagt Ikarus zu seinem Vater Dädalus. Und wirklich, es wird zugelangt im Kindertheater. In Die Schutzhütte beißt ein Eisbär einem Seemann das Bein ab und präsentiert es dann triumphal blutig mit herausstehendem Knochen. Ein Matrose beißt sich selbst die Zunge ab und zeigt sie schwabbelnd und flutschend dem Publikum. In Wir alle für immer zusammen reimt die (elfjährige!) Protagonistin: "Jungen werden nicht beachtet, die werden einfach abgeschlachtet". Und sie träumt vom zweisamen Selbstmord (ein bisschen wie die finnischen Finster-Rocker HIM): "Wir müssen zusammen sterben!"

Unsere Sitznachbarn im Theaterzelt schreckt das nicht. Offensichtlich durch die Tarantino-Schule gegangen, kommentiert ein Neunjähriger: "Wenn man das Bein abreißt, kommt da eigentlich mehr Blut raus. Das muss doch spritzen!", und als der Schauspieler nach seiner Krücke greift: "Man hat das Knie gesehen, der hat gar keinen Stumpf!" Uns hingegen graust es. Der Schock lähmt uns die Glieder. Dann aber, ganz unvermittelt, kommt er doch noch – der Moment, in dem auch wir unsere Härte beweisen können, in dem wir abgebrüht lächeln. Es ist – "Igitt", "Aaargh", "Uaaahhh" – der nach wie vor größte Eklat im Kindertheater: Ein Kuss auf offener Bühne.

Christian Rakow und Anne Peter, 0:00 Uhr

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Papa Hamlet? Papa Harald!
Mittwoch, 27. Mai 2009

papa-harald

Gestern sozusagen Vatertag. Unterm KinderStücke-Zeltdach im MüGa-Park können Dädalus und Ikarus den Konflikten der Vater-Sohn-Beziehung ebenso wenig entkommen wie dem Labyrinth des Minos', in dem sie festsitzen. Am Ende, gegen halb zwölf Uhr mittags, rufen die Jungzuschauer nach einstündiger In-Bann-Schlagungs-Performance nach der "Zugabe" – ein Ausruf, der im Kindertheater ja mittlerweile die gute alte Applaus-Regel so ziemlich überholt hat, hier aber echt enthusiasmiert rüberkommt.

Zehneinhalb Stunden später – und ein anderes Publikum verlangt wiederum lautstark nach einer "Zugabe", diesmal gar untermalt von schnellem, rhythmischen Klatschen. Musikantenstadl-Feeling. Wir sitzen – ganz darauf aus, den freien Abend zu genießen – im Ruhrfestspielhaus zu Recklinghausen und haben gerade als Gastspiel die Stuttgarter Hamlet-Parodie im Musical-Format, Der Prinz von Dänemark, gesehen. Auch hier spielt der Vater-Sohn-Konflikt selbstredend eine große Rolle – wobei der Vater bzw. (Plural) die Väter in diesem Fall von – wohow! – Harald Schmidt verkörpert werden: Er ist sowohl der Geist Papa Hamlets (im flatterweißen Nachthemd mit langen Haaren) als auch Ophelia-Papa Polonius (mit Pagenschnitt und glänzend gelben Strumpfhosen) sowie natürlich der geistige Übervater dieser ganzen Intellektuellen-Verjuxung.

Die ist richtig schön blöd, sehr vergnüglich und erweist sich überdies auch noch als ziemlich konsequent. Shakespeare, wie wir ihn uns wünschen: Monologe zum Mitsprechen, Songs zum Schunkeln (mit dem Highlight "Sein oder Nichtsein" zu U2s "With or without you"). Ein "Hamlet light" in 90 Minuten, eine Musical-Fake-Show zum Schein-Sein-Thema. Inklusive Stargast Schmidt, der für stürmischen Zwischenapplaus bloß mal kurz auf Geistererscheinung machen muss. Dieses Theater hält uns den Spiegel vor. Papa Harald weckt das Kind in uns.

Anne Peter, 20:06 Uhr

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10 Ratschläge für ein gutes Leben
Dienstag, 26. Mai 2009


Auf dem Stücke-Fest am vergangenen Wochenende stellte der Theaterkritiker Peter Michalzik in einer Lesung seine "Gebrauchsanweisung für das Theater" vor. Aber wie steht es eigentlich mit dem Theater selbst? Welche praktischen Ratschläge hat es zu verteilen? Wir haben verschiedene Beiträge der diesjährigen Mülheimer Theatertage auf ihre Ratgeber-Qualität hin durchgekämmt und knallhart ihren Nutzenfaktor kalkuliert.

Hier unsere Topliste:

10. Wie werde ich ein Frauenheld?

"Wie ich zum Frauenheld wurde: Ich habe einfach angefangen Frauen anzusprechen. Man muss das Maul aufkriegen."
(Hier und Jetzt von Roland Schimmelpfennig)
Brauchbarkeit:
Klappt, birgt allerdings auch Gefahren. Denn der Frauenheld kann kräftig eins aufs Maul kriegen, wie Martin alias Charly Hübner in der Inszenierung von Jürgen Gosch erfahren muss.
Nutzenfaktor: 15 %


9. Wie kann ich leben, wenn ich nicht zum Frauenheld tauge?

"Kein Mensch braucht Frauen. Ein Privatleben. Vergangenheit. Zukunft. Fortschritt. Wachstum."
(Privatleben von Ulrike Syha)
Brauchbarkeit:
Diese Rückkehr zur stoischen Haltung ist an sich vielversprechend. Allerdings wird sie von dem Helden in dieser Happy-End-mit-Frau-Komödie selbst nicht durchgehalten. Prädikat: Schwer umsetzbar.
Nutzenfaktor: 25%


8. Was muss ich für einen gesunden Schlaf beachten?

"Schlaflosigkeit ist übrigens zu neunzig Prozent ein Stresssymptom. Ausgelöst durch unverarbeitete Ängste. Die Folge von Vermeidungsstrategien."
(Geisterfahrer von Lutz Hübner)
Brauchbarkeit:
Noch einmal ein Fall von "wissenswert, aber kaum umsetzbar". "Du schläfst doch selbst schlecht", heißt es über die Rat gebende Psychologin Gaby in Hübners Stück.
Nutzenfaktor: 35%


7. Wann ist der richtige Moment, eine Party zu verlassen?

"Es ist schwer zu gehen, wenn alle, alle, alle anderen bleiben."
("Dein Tag" von PeterLicht beim Konzert auf dem Stücke-Fest)
Brauchbarkeit:
Hilft beim Verweilen, taugt allerdings nicht zum Aufbruch.
Nutzenfaktor: 40%


5. Wie kann ich das Ende des Kapitalismus bewirken?

"Die Gedanken müssen wechseln und nicht die Gefühle."
(Fantasma von René Pollesch)
Brauchbarkeit:
Schwierig zu verwirklichen, jetzt, da auch die Kommunistische Partei Chinas mit Gedanken und Gefühl zum Kapitalismus übergegangen ist. Außerdem kann man sich den Ratschlag nur schwer merken (siehe ruhrpod drei).
Nutzenfaktor: 50%
 

5. Wie gehe ich mit Macht um?
"Die Herrschaft muss genau studiert werden."
(Rechnitz (Der Würgeengel) von Elfriede Jelinek)
Brauchbarkeit:
Enorm. Allerdings, so macht Jelinek klar, ist die Herrschaft schwer greifbar, weil sie sich entweder gern ins Ausland absetzt (Altnazis) oder sich unter tonnenweise Sprachmüll versteckt (Neunazis).
Nutzenfaktor: 60 %


4. Wie engagiere ich mich politisch?

"Wir sollten die Formen waren. Vielleicht eine Partei."
(Kritische Masse von Oliver Bukowski)
Brauchbarkeit:
In der bundesdeutschen Politik bewährt, allerdings unter Umständen weniger wirksam als eine außerparlamentarische Opposition.
Nutzenfaktor: 75 %


3. Worauf kommt es beim Fliegen an?

"Halte dich vom Wasser fern, und komm auch der Sonne nicht zu nahe."
(Um Himmels Willen, Ikarus! von Bene Neustein / Claus Overkamp / Christian Schidlowsky, Theater Marabu Bonn)
Brauchbarkeit:
Sehr ratsam. Allerdings kleines Anwendungsgebiet und überdies, wie der Fall des Ikarus verdeutlicht, nicht leicht zu beherzigen.
Nutzenfaktor: 80%


2. Was muss ich auf einer Seefahrt beachten?

"Frauen und Hühner sind wie Pest an Bord."
(Die Schutzhütte von Peer Wittenbols, Theater an der Parkaue Berlin)
Brauchbarkeit:
Unbedingt zu beherzigen! Wer Frauen auf See mitnimmt, lehrt das Stück, verliert Gliedmaßen und Sinnesorgane.
Nutzenfaktor: 95%


1. Wie soll ich leben?

"Sich nicht ausziehen, wenn der Playboy fragt, kein Buch von Dieter Bohlen kaufen, Geld zurückgeben, das die Kassiererin zu viel herausgibt, sich klar machen, dass wir sterblich sind, Nein sagen, wenn einer ein super Geschäft vorschlägt, keinen Menschen hassen, nur weil er anders aussieht, denkt oder lebt als man selbst."
(Die goldenen letzten Jahre von Sibylle Berg)
Brauchbarkeit: Vollends beherzigenswert. Mit diesen tadellosen Ratschlägen kann jeder noch so erniedrigte und beleidigte Außenseiter späte Rache und Erfolge feiern. Es siegt die Lucky-Loser-Maxime.
Nutzenfaktor: 100%


Christian Rakow, 17:50 Uhr


texte-auf-tisch

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Schnipsel vom Festrand
Sonntag, 24. Mai 2009

Verkehrte Verhältnisse beim Stücke-Fest ums Theater an der Ruhr: Dea Loher, Preisträgerin des Mülheimer Dramatikerpreises 2008, liest vor kleiner Publikumsschar auf einer Probebühne, Theaterkritiker und Auswahlgremiumsmitglied Peter Michalzik im gut gefüllten Theatersaal. Die Raumlösung entspricht allerdings dem Charakter der Lesungen. Loher liest leise und unaufgeregt im Kapuzenpulli, Michalzik gibt plaudergelaunt zwischen den Leseteilen Anekdoten zum Besten. (ape)

Eigentlich habe sie ja ein "Stück für Mülheim" schreiben wollen, sagt Dea Loher, "aber das ist leider nicht rechtzeitig fertig geworden". Stattdessen die titelgebende Shortstory aus ihrem ersten Erzählungen-Band: "Hundskopf", noch nie vorgelesen – also auch eine Premiere. (ape)

Als wir nach der Loher-Lesung auf den Balkon treten, hoch über dem Raffelbergpark, ist die zuvor noch strahlende Sonne verschwunden. Passt irgendwie zur Düsternis-Dramatikerin. Der vermeintliche Nebelschleier steigt allerdings vom Grill auf – Treppe runter in den Bratwurstdunst. (ape)

jochen-der-elefant
Spricht mit Frank Zander-Stimme: Jochen der Elefant rümpft den Rüssel und plaudert – über Mikroport gesteuert – mit den eintrudelnden Fest-Gästen am Eiswagen.

Die meisten Zuschauer fühlen sich bei Peter Michalziks Lesung aus seiner "Gebrauchsanweisung fürs Theater" bestens unterhalten. Die höchste Lacherquote erzielen Passagen über Nachzügler-Unsitten ("Es gehört sich nicht, an den Mitbesuchern mit seinem Hinterteil entlangzuschrammen."), Husten ("Zuweilen erlebt man Auditorien, die sich regelrecht zum Husten aufpeitschen.") und Theaterschlaf ("Die Kunst des Theaterschlafs besteht trotzdem nicht darin, in aufrechter Haltung zu schlafen, das ist eine Voraussetzung, sondern an den richtigen Stellen zu schlummern."). (ape)

"Haben Sie Jelineks Rechnitz gesehen?", fragt ein Zuschauer Michalzik gegen Ende. Und dieser antwortet leicht verdutzt: "Natürlich, ich habe es ja ausgewählt." Der Zuschauer lässt nicht locker: "Und, wie fanden sie es?". Kurzes, nachdenkliches Schweigen und dann die Antwort: "Großartige Aufführung". Das ist, wir müssen es zugeben, der ultimative shorty. (chr)

Wasser auf die Mühlen des Kritikers: Ein Gast lobt Michalzik zum Schluss der Lesung aus seiner "Gebrauchsanweisung fürs Theater" dafür, dass sein Buch der Comic-Aufmachung anscheinend nicht entspreche, sondern sich dem Theater "ernsthaft" nähere. Er findet: "Das müsste eigentlich jedem Leser auf den Kopf genagelt werden." (ape)

baum-am-see
Ohne Bild. Beleuchteter Baum am See während des PeterLicht-Konzerts.

Zu fortgeschrittener Stunde sind wir uns einig: PeterLichts Texte sind die besten. Einen Tag vor seinem Mülheim-Auftritt hatte in der Skala des Centraltheaters Leipzig übrigens "Neue Texte von PeterLicht – Von der Unmöglichkeit eine neue Matratze zu kaufen ohne das Universum anzuhalten" in der Regie von Mareike Mikat Premiere. Vielleicht sieht man sich ja nächstes Jahr unverhofft in Mülheim wieder? (ape)

Eine "kurze Ansage ans Licht" gibt der Keyboarder von PeterLicht auf Hälfte des Konzerts: "Nehmt mal den Scheinwerfer von mir weg. Ich komm sonst um mit den ganzen Insekten hier". Wie viele Motten- und Mückenleichen werden an diesem Abend wohl auf seinen Tasten zurückgeblieben sein? (chr)

PeterLicht, der es streng vermeidet, sein Gesicht in irgendeine Kamera zu halten, ist auf der Bühne gänzlich unspleenig. Um ihn zu sehen, muss man halt auf seine Konzerte gehen. (ape)

Anne Peter (ape) und Christian Rakow (chr), 15:31 Uhr

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Drei Engel für Charly Hübner
Samstag, 23. Mai 2009

waschmaschinen-hj

Schlammschlacht? Blutorgie? Teer und Federn? Jedenfalls vielversprechend! In Jürgen Goschs Inzenierung von Roland Schimmelpfennigs Hier und Jetzt soll es – so lassen Bilder und Kritik erahnen – ziemlich zur Sache gehen.  Zehn Tage lang wurde der Boden bereitet, mehrere Dutzend Tonnen Erde aufgeschüttet für den Hahnenkampfplatz, auf dem Charly Hübner als Elektromarkt-Lover Martin seine Liaison mit Katja blutbitter büßen muss. Im Back-Stage-Bereich der Halle 110 stehen die Waschmaschinen jedenfalls schon bereit.

Anne Peter, 14:11 Uhr

   

Das hat ihnen Mülheim vorgemacht!
Samstag, 23. Mai 2009

bistro-agora

Vor der Berliner Volksbühne wurde sie soeben als Sommerspielstätte mit Prometheus von Aischylos eröffnet. In Mülheim gibt es die AGORA schon länger in der Eppinghofer Straße.

Christian Rakow, 12:21 Uhr

   

Liebesbotschaften durch die Vierte Wand
Freitag, 22. Mai 2009

Jelinekliebe. Sie wehte dem Münchner Gastspiel voraus, sie linst durch die zum Schießstand geöffneten Holztafelwände, stiehlt sich in die leise konzentrierte Handschrift Jossi Wielers und liegt den Schauspielern beim umsichtig klugen Umgang mit den Worten auf der Zunge. Sie schwappt über die Rampe durch die Vierte Wand – und wieder zurück. Sie sitzt während des Publikumsgesprächs mit am Tisch und hängt sich an die wenigen Wortmeldungen, zu denen sich bewundernde Zuschauer aufschwingen. Zum dreizehnten Mal kommt ein Jelinek-Stück nach Mülheim. "Sie waren ein ganz wundervolles Publikum", sagt die ebenfalls wundervolle Hildegard Schmahl auf dem Podium. Weil es die Sätze verstanden und so unmittelbar auf sie reagiert hätte. Tatsächlich war es im Parkett immer wieder zu hören, jenes Lachen, das im Halse stecken bleibt.

Anne Peter, 17:40 Uhr

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